Der nachfolgende Artikel hat nichts mit Zähnen zu tun. Er klärt über die biblische Bewertung eines nicht einfachen Themas auf.

Schwangerschaftsabbruch

Bis ungefähr Mitte des letzten Jahrhunderts war ein Schwangerschaftsabbruch in Deutschland eine Straftat, lange Zeit unter Androhung der Todesstrafe verboten. Änderungen der gesellschaftlichen Meinung und der medizinischen Möglichkeiten führten zu verschiedenen Gesetzesänderungen. Nach jetzigem Recht ist ein Abbruch in den ersten 14 Wochen einer Schwangerschaft nach ärztlicher Beratung straffrei. Danach gelten Sonderregelungen. Jedes Jahr werden in Deutschland weit mehr als 100.000 Schwangerschaften abgebrochen.

 

Was würdest du in folgenden Beispielen raten?

Jana und Timo wollten eigentlich nur zusammen Eis essen gehen. Doch dann blieben sie länger zusammen und kamen sich immer näher. Wenige Wochen danach merkt Jana: ungewollt schwanger! Was tun? Ihr Arzt rät ihr zum „Abbruch“. Sie ist schließlich gerade erst 16 Jahre alt, Timo auch nicht viel älter. Sie fürchten die Folgen in der Familie und in der Versammlung (Gemeinde). Sollen sie dieser Schwangerschaft lieber schnell und heimlich ein Ende bereiten und in Frieden weiterleben?

Julia und Tom sind glücklich verheiratet. Beide sind noch am Anfang ihres Studiums, als Julia überraschend schwanger wird. Das passt nicht. Die ganze Lebensplanung bricht zusammen, wirtschaftlich klappt es mit Kind auch nicht. Abtreiben?

Eva und Jonathan haben schon zwei liebe Kinder. Bei der dritten Schwangerschaft stellt sich bei einer Fruchtwasseruntersuchung heraus: Trisomie 21. Das Kind wird höchstwahrscheinlich mit Down-Syndrom, einer schweren Behinderung, zur Welt kommen. Der Arzt rät dringend zum Schwangerschaftsabbruch. Das Leben des Kindes sei nicht lebenswert. Die ganze Familie würde leiden.

Um hier raten bzw. entscheiden zu können ist nicht die Meinung der Ärzte wichtig, sondern: Was sagt Gottes Wort dazu?

 


Gottes Wort befragen

Wir finden in der Bibel, der Heiligen Schrift, keinen Fall von Abtreibung. Aber ist diese nicht zumindest im moralischen Sinn „Mord“, das bewusste Töten eines Menschen? Über dieses Thema gibt es manche Beispiele in der Schrift.

 

Man kann auch an andere Beispiele denken. Als David ungewollt Vater wurde, versuchte er, dies mit viel List zu vertuschen (lies 2. Samuel 11). Später sagt er über diese Zeit: „Als ich schwieg, verzehrten sich meine Gebeine durch mein Gestöhn den ganzen Tag. Denn Tag und Nacht lastete auf mir deine Hand; verwandelt wurde mein Saft in Sommerdürre“ (Ps 32,3.4). Er spürte seine Schuld und wurde tief unglücklich.

 

Wenn auch kein Mensch die Sünde ahnen mag, Gott kennt sie und wird sie nicht unbeachtet lassen. Er sieht nicht nur die Folge, nämlich die Schwangerschaft, sondern auch die Ursache: die Sünde der Hurerei, die dazu führte. Gott möchte zu einer Schulderkenntnis und zum Schuldbekenntnis leiten. Erst danach ist es möglich, wieder mit Freude im Herzen zu leben. Abtreibung und Verheimlichung können nie die richtige Lösung sein. (Ps 51,12; 32,5).

Ab wann beginnt ein Embryo Mensch zu sein? Welche Schwangerschaftswoche ist entscheidend? In Psalm 139,16 finden wir die Antwort: „Meinen Keim sahen deine Augen, und in dein Buch waren sie alle eingeschrieben, die Tage, die entworfen wurden, als nicht einer von ihnen war“. Das Wort Keim bedeutet: Knäuel, ungeformte Masse. Bereits bevor irgendeine Form erkennbar ist, ist das Kind in Gottes Buch der lebenden Menschen eingeschrieben. Vom Zeitpunkt der Vereinigung von Ei- und Samenzelle an ist es ein eigenes Lebewesen. Dabei müssen wir bedenken: Gott gibt das Leben. Kein Mensch ist dazu in der Lage. Deshalb gehört das Leben auch Gott und nicht der Mutter oder den Eltern. Jeder, der diesem Leben absichtlich ein Ende bereitet, handelt gegen Gott, greift in seine Rechte ein. Auch im 21. Jahrhundert ist Abreibung Mord.

 

Vielleicht fragt jemand: Und was ist, wenn das Kind nun wirklich nicht „passt“ oder krank geboren wird? Gott kennt diese Situation. Er lässt keine Schwierigkeiten zu, die wir nicht tragen können, wenn wir uns auf ihn stützen. Menschlich betrachtet scheint manche Lage hoffnungslos. Doch gerade in diesen Fällen möchte Gott sich besonders offenbaren und denen Kraft geben, die seinem Wort gehorchen. Das haben schon viele erfahren, die solche Not erlebt haben.

Und die Beispiele?

Jana und Timo wird deutlich, dass es Mord wäre, das Kind abzutreiben. Ja, die Tatsache, dass Jana ungewollt schwanger geworden ist, ist die Folge davon, dass sie zusammen gekommen waren, ohne verheiratet zu sein. Und das ist Sünde. Jana und Timo wollen um diesen Punkt nicht länger herumreden. Sie wollen ihre Sünde bekennen – vor Gott und Menschen. Dieser Weg wird nicht einfach. Aber sie wollen ihre Sünde nicht noch durch eine andere verstärken.

Julia und Tom merken: Das Kind ist unser Kind. Es ist das Ergebnis unserer Liebe als Eheleute zueinander. Und jetzt sollen wir es „wegmachen“, nur weil es nicht zur Lebensplanung passt? Nein, Gottes Gedanken darüber sind deutlich. Das wird ihnen klar. Eigentlich hat Julias Herz von Anfang an beim Gedanken an Abtreibung weh getan. Tom meint, es gäbe doch so manche Hilfen für junge Familien. Ja, es wird schwieriger werden. Aber mit der Hilfe des Herrn werden sie auch das schaffen. Davon sind sie jetzt überzeugt.

Eva und Jonathan stehen vor einer großen Herausforderung: Sie bekommen ein behindertes Kind. Der Arzt rät zur Abtreibung. Die Versuchung ist groß: „Das geht sicher über unsere Kräfte.“ Doch nein, die Schuld ihr eigenes Kind ermordet zu haben, wollen sie nicht auf sich laden. Wenn der Herr es so führt, dann wollen sie mit seiner Hilfe die Aufgabe und die Belastung tragen. In der Versammlung (Gemeinde) kennen sie noch eine Familie, die ein behindertes Kind hat. Sicher wird ihnen ein Erfahrungsaustausch gut tun. 


Matthias Franke

 

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